Beiträge von RedFloyd

    Vorneweg, es ist super löblich wie viele Gedanken du dir machst. Aber ich glaube, auf dem Level eines beginners, egal wie enthusiastisch du bist, machst du es dir damit nicht einfacher!

    Ich schreibe meine Gedanken auf, die ich schon etliche Male für viele Anfänger wiederholt habe, also falls hier Dinge sind, die dich gar nicht ansprechen, keine Sorge, das ist eher ein sehr allgemeines Bild!

    1: Finger weg vom Grafiktablet.
    Alle wollen immer sofort digital zeichnen. Und es ist verständlich. Das was wir in der Community sehen ist geflutet von digital Art.
    ABER:

    Digitales Malen bietet extrem viele Nachteile für einen Anfänger mit sich. Allen vorran, dass du zwei Dinge gleichzetigi lernen musst.
    -Das Malen selbst
    -Der Umgang mit den Programmen, Ebenen, Filtern, etc.

    Kreativität und Lernprozesse entstehen oft mehr durch Hindernisse als durch Freiheiten. Deswegen rate ich zu einem Skizzenbuch und einem Bleistift, oder bestenfalls sogar einem Kugelschreiber mit dem man malt.


    2: Lernen durch Leidenschaft
    Übungen für sich selbst zu setzen ist zwar Löblich, aber bis zu einem gewissen Level auch hinderlich.
    Kunst ist in erster Linie eine passion und genau als solche solltest du sie auch behandeln.
    "Der Weg ist das Ziel" ist zwar eine abgedroschene Phrase wird dir aber innerhalb des Prozesses unglaublich helfen, denn SPOILER:

    DU WIRST EH NIEMALS ZUFRIEDEN SEIN.

    Deshalb ist es ratsam, gerade am Anfang einfach den Spaß am malen selbst zu entdecken. Nimm deinen Bleistift und deine Buntstift, kritzle deine Ideen vor dich hin, male über den Rand hinaus, entdecke, werde kreativ und mache keine Fehler sondern die berühmten "Happy little accidents".
    Deine Attitüde ist ein extrem wichtiger Faktor um frustration zu vermeiden. Bleib dran, aber bleib auch bei deiner Freude!

    3: Referenzen und Tracing
    Mittlerweile ist zum Glück das Stigmata um das Nutzen von Referenzen verschwunden.
    Fürs Tracing allerdings sieht das noch anders aus.
    Dabei haben viele durch das abpausen ihrer liebsten Manga Panels angefangen.
    Klar, du solltest sowas dann nicht online posten und als dein eigenes Werk ausgeben, aber es kann extrem behilflich sein Linework oder Zeichenstile besser zu verstehen und später umsetzen zu können.
    Referenzen sind dann nur der nächste Schritt. Dabei meine ich aber nicht nur das angucken von Bildern oder Fotos, sondern auch lernen seine Umgebung besser wahrzunehmen. Welche Formensprachen gibt es in der Natur? Farben? Wie entsteht tiefe? Etc.
    Die ganze Welt ist ein künstlerisches Konstrukt das darauf wartet von dir analysiert zu werden.

    4: Male
    Schnapp dir dein Skizzenbuch und leg los. Egal wie viel. Egal wie lang. Aber am besten jeden Tag. Was dir auch immer gerade in den Sinn kommt! Hauptsache du hörst nicht auf und hast Spaß daran! Vergleiche dich nicht mit anderen, nur mit dir selbst. Gerade dafür ist es auch extrem gut ein Skizzenbuch zu haben, mit dem du aktiv deinen Progress nachvollziehen kannst.
    Bestes Beispiel dafür ist die "Learn how to draw" challenge die Pewdiepie erst kürzlich durchgezogen hat! In seinem Buch war der Progress extrem schnell zu erkennen und das Motiviert!
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    So, dass sind mal meine Pfeiler für jeden Beginner.

    Ich will abschließend noch ein paar Worte zu deinem Plan, den du dir aufgestellt hast sagen.
    Ich glaube du tust dir selber damit keinen Gefallen dich auf diese Punkte einzugrenzen. Du versteifst dich damit auf genau die Aufgaben die du dir gestellt hast, anstatt das du spielend die "Kunst der Kunst" entdeckst.
    Vor allem hast du einen extremen Fokus auf Anatomie gelegt, welche in der Gesamtheit von Artworks eigentlich eher eine zweit-, wenn nicht drittrangige Ordnung einnimmt.


    Die wesentlichen Themen die du dir zur Studie als Anfänger hernehmen solltest sind folgende (Chronologisch aufeinander aufbauend):

    -Formensprache und Komposition:
    Denn Darstellung von allem erfolgt durch gute Formen. Und du findest sie überall. Nicht nur in Outlines, sondern auch in Schatten und Lichtern. Die gute Form hilft dir dabei die Sprache der Ästhetik zu erlernen und deine Arbeit mit Linien zu verbessern

    -Helligkeit/Dreidimensionalität:
    Es ist extrem wichtig zu erlernen die Dinge die man zeichnet nicht nur als Linien auf einem Blatt sondern als modellierte Masse zu verstehen. Mach dir klar, das Lesbarkeit und Glaubwürdigkeit deiner Illustrationen davon abhängen ob du dreidimensionalität erzeugen kannst. Und das erlernst du eben am besten in dem du anfängst mit Lichtern und Schatten zu arbeiten, aber auch in dem du lernst deine Zeichnungen selbst vor dir bereits beim skizzieren als drei-dimensionales Objekt zu erkennen.

    -Gesture/Proportionales Zeichenen:
    Normalerweise klammere ich diesen Punkt aus. Aber die meisten Leute wollen eben am liebsten Figuren malen. Wie bereits erwähnt, ist Anatomie nicht besonders wichtig, gerade wenn man erst anfängt zu lernen. Anatomie ist das Haus, dass auf dem Fundament der Gestik und Propotionslehre steht. Deshalb kannst du anfangen Gesture-drawings anzugucken und selbst anzufertigen. Dabei ist es wichtiger die Form und Pose des Körpers in wenigen Linien zusammenzufassen und Proportionen dabei richtig beizubehalten.
    Ich habe schon etliche Künstler gesehen, die einen detaillierten Muskulösen Oberkörper zeichnen können, der aber viel zu langgesteckt ist und deshalb einfach komisch aussieht.
    Pose und Proportion trumpft über Anatomie.

    -Farbe:
    Farblehre ist selbsterklärend, aber hier der letzte Punkt, weil Farben an sich nichts zum handwerklichen Lernprozess des Malens beitragen. Farben sind etwas das man nutzt um seine Zuschauer zu bewegen. Stimmungen, Thematiken und Emotionen sind alle durch Farbe einzufangen.
    Anfangs werden Farben eine sehr geringe Rolle spielen, die aber immer größer wird, je mehr du dich aus dem Lernprozess hin zu fertigen Bildern bewegst.
    Ein guter Künstler spielt mit seinen Farben genau so sehr wie er sie analytisch benutzt.

    So. Mit diesen Fundamenten solltest du gut für den Anfang gewappnet sein. Vergiss nie, das der Lernprozess nie aufhört und jedes Fundament aufeinander aufbaut.
    Und ein letzter Tipp: Halte dich vorerst sehr bedeckt mit dem Furry Thema. Ich weiß, dass es viele motiviert, aber es kann dir auch extrem viele schwierigkeiten bereiten, wenn du von anfang an nur Furry-stuff malst. Lerne wie man Gesichter und echte Tiere malt! All das hilft dir später gewaltig!

    Viele Grüße an der Stelle an meinen alten Prof für Kunst und Illustration, dem ich wirklich vieles in der Hinsicht zu verdanken habe.

    Meine liebsten Tutorials für junge Künstler sind übrigens die Videos "10-Minutes to better Painting" von Marco Bucci, der einen sehr künstlerischen und philosophischen Ansatz zum lernprozess hat! Wenn du die Zeit hast, guck dir seine Videos an und höre genau zu! Er ist einer der wenigen da draussen, der dir nicht zeigt wie man mit der Hand malt, sondern wie der Kopf beim malen denken sollte!

    Merging Shapes - 10 Minutes To Better Painting - Episode 1
    Become a better digital or traditional artist! Each episode will give you tools for stronger paintings.- LINKS - Patreon: http://www.patreon.com/marcobucciMo...
    www.youtube.com


    Viel, viel Spaß beim Malen!!!

    Btw:
    Es gibt ja auch postives Feedback!
    Deswegen oder auch gerade weil es jetzt den ersten "stress" gab, wollte ich nur auch mal ans gesamte Team ein großes Danke ausdrücken.
    Das Forum wächst und bietet tolle features. Ihr gebt euch wahnsinnig Mühe und ich hoffe das wir auch in den kommenden Monaten oder Jahren darauf aufbauen können!

    Also, klopft euch auch mal auf die Schulter, dafür wie cool das alles hier schon nach so einer kurzen Zeit geworden ist, sowohl in Funktionalität als auch Präsenz.